Aktuelles aus Förderverein und Gemeindebücherei
Biobauer versteht sich auf Buch und Kuh: Lachsalven im Meyerhof
Scheeßel. Am Dienstagabend bogen sich die Balken im ausverkauften Scheeßeler Meyerhof, so laut schallten die Lachsalven durch das altehrwürdige Ambiente. Der Büchereiförderverein und die Gemeindebücherei Scheeßel hatten zu einem vergnüglichen Leseabend mit dem Schleswig-Holsteiner Biobauern Matthias Stührwoldt geladen, der es vermochte auf trockene und lässige Art ein plattdeutsches Döntjes nach dem anderen zum Besten zu geben. Dazu gab es vom Verein Wasser und Wein und dem Anlass entsprechend Schnitten, wie sonst auch abends auf dem Hof.
Nach
einem kurzen Einführungsinterview des Vereinsvorsitzenden Detlev Kaldinski mit
dem „Melkbuern“, bei dem dieser von seinem Verhältnis zu seinen 60 Kühen und
fünf Kindern berichtete, von denen „vier immer in der Pubertät“ sind, ging es
ans Eingemachte. Dabei scheute sich Matthias Stührwoldt nicht, auch Themen wie
Intimrasur oder Stringtangas anzusprechen, auch wenn seine Töchter das nicht so
gern haben. Ein Gast: „Es war einfach zum Brüllen komisch!“
Das Eis hatte der Wacken-Fan aber bereits vorher gebrochen, als er vor den Scheeßelern über seine pfandsammelnde Mutter berichtete. Folgerichtig bekam der Autor zahlreicher plattdeutscher Bücher und Sendungen von „Hör mal’n beten to“ zum Schluss von Detlev Kaldinski neben einer (vollen) Flasche Wein auch eine Pfandflasche überreicht - für seine Mutter. Die hat übrigens „eine dezentrale Müllverbrennungsanlage in ihrer Küche mit einem Gänseflügel für die Asche“, berichtete der schreibende Bauer seinen Zuhörern, die sich sofort an den heimischen Herd erinnert fühlten.
Matthias Stührwoldt
Urkomisch auch, als Stührwoldt von seinem Schicksal als
Mittelstürmer „vom Typ Hrubesch“ in der örtlichen Alten Herren-Mannschaft
berichtete. „Bei uns liegen sie richtig“ lautet das Trikotlogo eines örtlichen
Bestatters beim Spitzenreiter der Kreisliga. Und wieder gab es eine schallende
Lachsalve. Wie auch bei einer detaillierten Betrachtung des Pflügens seines
Ackers, dessen Geschichte er mit einem alten Luftbild belegte.
Stührwoldt zeigte sich über den ganzen Abend als guter Beobachter von Details mit einem phänomenalen Gedächtnis und überschäumendem Witz. Seine (plattdeutsche) Sprachbegabung mit viel Sinn für die Pointe war das i-Tüpfelchen einer gelungenen Vorstellung, von der man am liebsten am nächsten Tag schon wieder eine sehen könnte. Der Erfolg zeigte sich auch am Buchverkauf: Erst verkaufte die örtliche Buchhändlerin ihre gesamten Exemplare, dann holte Bauer Stührwoldt noch einen Koffer frischer Literatur heraus. Und die gingen auch noch weg. Unterschrieben und mit Widmung natürlich. Der Mann muss einfach wiederkommen. Bis dahin kann man seine Werke ja noch in der örtlichen Buchhandlung bestellen oder in der Gemeindebücherei ausleihen.
Foto: Matthias Stührwoldt im Meyerhof von Scheeßel
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Scheeßeler Büchereiförderverein beschäftigt sich mit Krimis:
Andreas Kurth stellt „Krimi-Granaten“ vor
Scheeßel. Eigentlich ist er von Berufs wegen als Lokaljournalist bereits ein Vielschreiber. Aber wenn Andreas Kurth (51) nach einem anstrengenden und nicht selten langen Tag als Redakteur der Zevener Zeitung nach Hause kommt, findet er neben der Jagd immer öfter Entspannung im Rezensieren von Kriminalromanen. Dass er eine Menge liest, versteht sich dabei von selbst.
Forum seiner Kritiken ist unter anderem die jeden Tag von rund 14 000 Gästen besuchte Internetplattform www.krimi-couch.de, bei der er es inzwischen als Vielschreiber zum „Team-Mitglied“ gebracht hat. Die Bewertung der (heißen) Romane erfolgt übrigens in Grad Celsius und Spitzenreiter bekommen den „Granaten“-Status. Kurth: „Die Krimi-Couch“ ist die erste Adresse im Online-Bereich in Deutschland.“ Andreas Kurth bekommt übrigens vor dem Druck von namhaften Autoren die Texte zum Rezensieren gesandt, und mitunter finden die Zitate dabei später sogar ihren Weg auf die Klappentexte der gedruckten Werke.
Am 3. Mai lädt der Büchereiförderverein Scheeßel e.V. um 19 Uhr zur Jahreshauptversammlung in die Scheeßeler Bücherei ein. Nach Ablauf der Formalien und Wahlen wird Andreas Kurth ab 20 Uhr über drei seiner Spitzenkrimis berichten, darunter den Spiegel-Bestseller von Nele Neuhaus „Schneewittchen muss sterben“ und Arne Dahls Thriller „Opferzahl“. Zuvor wird Fördervereins-Vorsitzender Detlev Kaldinski, ebenfalls Krimifan, mit Andreas Kurth ein spannendes Interview führen. Dabei wird es unter anderem darum gehen, woran man einen guten Krimi erkennen kann.
Teilnehmen können natürlich nicht nur Mitglieder, auch andere Interessierte sind herzlich in die Bücherei eingeladen. Wie immer bei solchen Anlässen kredenzt der Fördervereinsvorstand gemeinsam mit den Büchereidamen einen leckeren Wein, Wasser und Snacks. Darüber hinaus gibt es einen besonderen Service: Der Verein bietet den Gästen kostenlos eine Auswahl der besten Rezensionen von Andreas Kurth als Kopie an.

Andreas Kurth
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Krimilesung im Scheeßeler Meyerhof: Spannung und Ambiente

Scheeßel. Ganz still wurde es am Freitagabend im Meyerhof, als die Bremer Krimiautorin und Polizeireporterin Rose Gerdts-Schiffler aus ihrem Roman aus dem Leben einer kurdischen Familie vortrug. Die bildungshungrige Tochter Nilgün wird vermisst. Fast plastisch werden die Schwierigkeiten für ein westlich orientiertes kurdisches Mädchen wie Nilgün in einem muslimischen Umfeld deutlich. Beklemmend die Vorstellung, ihre Familie könnte für ihren Tod verantwortlich sein. Ein Ehrenmord? Die eigenen Brüder die Mörder? Rose Gerdts-Schiffler ließ die Zuhörer im gut besuchten Meyerhof hier im Unklaren, schaffte es aber, die Spannung förmlich zu injizieren. Verständlich, dass eine große Kiste ihrer Bücher im Anschluss an die Lesung ihre Käufer fanden. Wollte doch jeder wissen, wie es ausging, wer es war.
Zuvor hatte die Autorin in einem Interview mit dem Büchereifördervereinsvorsitzenden Detlev Kaldinski tief in ihr Autorenrepertoire schauen lassen: Die Ideen für die Hintergründe ihrer spannenden Krimis kommen der Weserkurier-Redakteurin oft im Job, wenn sie über Mörder schreibt oder die Geschichten von Bremer Rockergangs ausleuchtet. Bei dem von ihr gelesenen „Ehrenhüter“ stand beispielsweise ein Leichenfund am Bremer Bunker Valentin Pate, ein Doppelmord an einem türkischen Paar. Tief recherchierte Gerdts-Schiffler in kurdischen Familien, reiste sogar einer abgeschobenen Kurdin in die Osttürkei hinterher, um alle Details zu erfassen. Dabei hat auch ihr Ermittlerduo Navideh Petersen und Frank Steenhoff Tatort-Qualität und es verwundert nicht, dass es bereits eine Anfrage gibt.
Die Detailschärfe und gekonnte Sozialstudien, die sich zumeist mit einem Kriminalphänomen beschäftigen, kommen den Romanen zu Gute: Sie wirken bis in den letzten Halbsatz authentisch und vermitteln so eine enorme Spannung. Die Leser wissen das zu schätzen und gaben der Literatin beispielsweise bei Amazon durchweg fünf Sterne, mehr als einigen nordischen Krimikkönnern. Der Krimiabend im tollen Ambiente des Meyerhofs kam daher gut an. Der Büchereiförderverein und die Gemeindebücherei wollen das Krimidinner mit leckerem Wein und einem Imbiss daher im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholen. Und die Autorin sagte schon fest zu, auch ihren vierten Krimi, der bei Rowohlt erscheinen soll, in Scheeßel vorzutragen.


Edeltraud Riepshoff mit dem aktuellen Krimi der Autorin



